New Work: Weniger Entlassungen dank Job Sharing/ Work Share

Job Sharing

Viele Unternehmen mussten während der Covid-Krise auf Kurzarbeit umschalten. Damit die Balance im Arbeitsmarkt auch zukünftig gesichert werden kann, sollten nun zusätzliche, innovative Konzepte bedacht werden.  Eine gute Option, um langfristige Arbeitslosigkeit zu reduzieren bietet dabei die temporäre oder permanente Arbeitsteilung von Vollzeitpositionen.

Ein Gastbeitrag von Irenka Krone-Germann und Karin Tischler

Während der Pandemie wurde Kurzarbeit als eine temporäre Massnahme verwendet, um Entlassungen zu verhindern oder zumindest zeitlich zu verzögern. Eine permanentere Alternative könnte Jobsharing/ «Work Share» bieten. Diese Methode bedeutet das Umverteilen von Arbeitsplätzen innerhalb von Organisationen.

Was ist Job Sharing?

Im traditionellen Sinne bedeutet Job Sharing, dass sich zwei oder mehr Arbeitnehmer*innen eine Vollzeitstelle mit voneinander abhängigen Aufgaben teilen und die Verantwortung dafür gemeinsam innehaben. Jobsharing gewährt den Zugang zu interessanten und verantwortungsvollen Teilzeitjobs. Dadurch entstehen auch erhebliche Vorteile für Arbeitnehmende und Arbeitgebende. Jobsharing verbessert ausserdem die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Für die Arbeitgeber sind die wichtigsten Vorteile das Erhalten von Leistungsträgern, eine höhere kumulative Produktivität, ein ausgedehnteres Netzwerk und eine verbesserte Entscheidungsfindung.

Gegeben der momentanen Arbeitsmarktsituation  im Zusammenhang mit der Covid-Krise bietet das Jobsharing Modell mehrere interessante Lösungsansätze. Ein White Paper des World Economic Forums (WEF) vom Juni 2021 erklärte, dass Jobsharing zur Steigerung der Beschäftigung beitragen kann.

In Kanada und in den USA spricht man von «Work Share» wenn man Kurzarbeit erwähnt. Das Konzept «Work Share» beinhaltet mehr Arbeits- und Kompetenzteilung und auch spezifische Regeln dazu.

Vorteile von Job Sharing für Arbeitgeber

Jobsharing reduziert Unterbrechungen im Arbeitsleben. Unternehmen halten Talente, steigern die Produktivität und haben Zugang zu einem erweiterten Talentpool. Unternehmen, die Jobsharing anbieten, erhalten auch mehr Bewerbungen und vereinfachen für Frauen den Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt. In der momentanen Arbeitsmarktsituation würde Jobsharing im Sinne von «Work Share» dazu führen, die Auswirkungen der Krise zu mildern. Dies gilt vor allem für Menschen über 50, die schon vor der Krise Probleme hatten, einen Arbeitsplatz zu finden. Momentan gibt es bereits in der Schweiz Jobsharing-Modelle (auch generationenübergreifend) in Unternehmen. Dies gilt für fast alle Wirtschaftssektoren und besonders für den Dienstleistungssektor.

Die Überlegung ist einfach: 200 % Beschäftigungsquote bei zwei Vollzeitbeschäftigten zum Beispiel könnten auf 140 % oder sogar weniger reduziert werden, wenn eine Arbeitsteilung von 2 x 70 % möglich ist und von den Mitarbeitenden akzeptiert wird. Dieses Konzept ist nicht neu. Es wurde schon so in Kanada und den Vereinigten Staaten während Wirtschaftskrisen umgesetzt. Sobald sich die Situation wieder verbessert hat, können die Arbeitsstunden erhöht oder die Arbeitsstruktur dauerhaft geändert werden. Wenn die Talente im Unternehmen gehalten werden, reduzieren sich die Einstellungskosten, und das Unternehmen kann sich nach der Krise schneller erholen.

Job Sharing/ Work Share zur Sicherung von Arbeitsplätzen

Für die Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen bietet das Jobsharing die Möglichkeit, den Arbeitsplatz nicht zu verlieren, den eigenen Wissensschatz durch den verstärkten Austausch mit dem Partner bzw. der Partnerin zu erweitern und auf dem Arbeitsmarkt attraktiv zu bleiben.

Ein Jobsharing/Work Share-System kann eine innovative Methode sein, um in dieser Krisenlage Talente und Mitarbeiter*innen zu halten. Mehrere Wirtschaftswissenschaftler*innen weisen sogar darauf hin, dass Jobsharing die psychologischen Probleme lindern kann, die durch Entlassungen aufgrund von Covid verursacht werden. Wenn Unternehmen mit der harten Realität konfrontiert sind, Kosten durch Entlassungen zu senken, können sie durch Jobsharing eine Stelle oder einen Teil einer Stelle streichen, ohne Mitarbeitende entlassen zu müssen.

Um diese innovativen Veränderungen zu implementieren, sollten die KMU jetzt darüber nachdenken. Laut Sam Rains, Direktor der Handelskammer von Tamworth4, könnten einige Unternehmen durch flexible Arbeitsregelungen wie Jobsharing mehr Mitarbeitende an sich binden.

Wie lernt man eine*n Jobsharing Partner*in kennen?

Im Gegensatz zu dem, was vielleicht vermutet wird, müssen sich die Mitglieder eines Jobsharings nicht unbedingt kennen. Sie müssen jedoch über eine ähnliche Arbeitseinstellung und gemeinsame Werte verfügen. Es gibt Plattformen wie zum Beispiel wejobshare.ch die das Treffen von potentiellen Jobsharing-Partner*innen ermöglichen. Einige Unternehmen nutzen diese Plattform, um sie ihren Mitarbeitenden intern zur Verfügung zu stellen.

In Bezug auf Bewerbungen im Jobsharing ist es wichtig, dass die Jobsharer*innen sich bereit erklären, zusammenzuarbeiten und mitverantwortlich zu sein, da die Bewertung gemeinsam vorgenommen wird. Wenn die Kandidat*innen diese Kriterien nicht erfüllen, sollte das Vorhaben nicht in Angriff genommen werden, da die Gefahr besteht, dass es Schwierigkeiten innerhalb des Duos gibt.

Digitalisierung im Dienste des Jobsharings

Das Jobsharing-Modell ist heute umso attraktiver, als dass die digitale Technologie die Umsetzung erleichtert. Jahrelang waren die Unternehmen bei der Arbeitsteilung zurückhaltend und wiesen auf die Gefahr mangelnder Kommunikation und Kohärenz zwischen den Partner*innen hin. Heute ist das dank cloudbasierter Kollaborationsplattformen, welche die Kommunikation massgeblich erleichtern, nicht mehr der Fall.

Neue Arbeitsformen können dazu beitragen, Langzeitarbeitslosigkeit zu vermeiden, die wachsende Nachfrage von Arbeitnehmenden verschiedener Generationen zu befriedigen und einen ausgewogeneren und nachhaltigeren Arbeitsmarkt zu gewährleisten.

Irenka KroneIrenka Krone-Germann, co-Gründerin Verein PTO (Part-time Optimierung) und Karin Tischler Frau TischlerGeschäftsleiterin Emily’s Path Consulting Kanada. Auf www.wejobshare.ch, www.weshare1.com und www.emilyspath.ca erfahren Sie mehr. Dort finden Sie auch den PTO Ratgeber Job und Topsharing.

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