Verändert mehr Achtsamkeit im Alltag die Widerstandskraft von Mitarbeitenden?

Achtsamkeit

Es sorgt immer wieder für Erstaunen, wenn Menschen schwere Schicksalsschläge und Lebenskrisen scheinbar spielend leicht bewältigen, indem sie in der unglücklichen Lage sogar Chancen sehen und diese für ihre Reife nutzen. Auf der anderen Seite stehen Menschen, die aus Krisen scheinbar nicht mehr herausfinden oder gar depressiv werden. Worin begründen sich diese Unterschiede, wie beeinflusst die Widerstandskraft den Zustand der Mitarbeitenden und kann die Resistenz der Mitarbeitenden sogar trainiert werden?
Ein Gastbeitrag von Sandro Pisaneschi
Wissenschafter fanden heraus, dass die Fähigkeit zur Resilienz, also zur psychischen Widerstandskraft bei den Menschen, unterschiedlich ausgeprägt ist. Daran knüpft sich die Frage, auf welchen Faktoren diese Unterschiede begründet sind. Warum sehen Menschen die Krise als Chance, während andere daran zerbrechen? Warum arbeiten Menschen 60 Stunden pro Woche ohne gesundheitliche Beeinträchtigungen, während andere Menschen bereits bei einer 40- Stunden- Woche ausbrennen?
Die Ursachen für die Unterschiede finden sich in der psychischen Entwicklung des Menschen, die in der frühsten Kindheit beginnt. Doch auch die Gene sind zu berücksichtigen. Demnach ergibt sich die Resilienz aus einer Wechselwirkung zwischen Genen und Umwelt. Es heisst, dass sich die Widerstandsressourcen bis zum 30. Lebensjahr herausbilden.

Stärkt mehr Achtsamkeit im Alltag die Widerstandsfähigkeit von Mitarbeitenden?

Die Brisanz dieser Frage ergibt sich angesichts der komplexen Veränderungen, welchen die Arbeitswelt beispielsweise durch Digitalisierung und Globalisierung unterworfen ist. Der Mensch als Akteur in Gesellschaft und Arbeitswelt muss sich an diese Veränderungen anpassen. Dass dies nicht immer gelingt, zeigt sich an der Zunahme psychischer Erkrankungen. An dieser Stelle setzt die Resilienzforschung an, wobei Resilienz in diesem Text als Fähigkeit bezeichnet wird, sich auf wechselnde Lebenssituationen und Anforderungen einstellen zu können, ohne dass psychische Folgeschäden entstehen.
Obwohl die Entstehung von Widerstandskraft auf der Basis gesunder zwischenmenschlicher, vertrauensvoller Beziehungen in der Kindheit verortet wird, kann die Fähigkeit auch bei Erwachsenen durch die systematische Bewältigung entsprechender (sozialer) Situationen und Herausforderungen trainiert werden. Resilienz entsteht vereinfacht gesagt, wenn wir gelernt und erlebt haben, dass es soziale, persönliche und materielle Sicherheiten gibt. Durch diese Erfahrungen wissen wir, dass wir auf die eigenen Stärken vertrauen können. Diverse Studien erbrachten den Beweis des Zusammenhangs zwischen Resilienz und Gesundheit. So erkrankten resiliente Mitarbeitende seltener an einem Burnout.
Tradition. Entsprechende Übungen lassen sich leicht in den Arbeitsalltag integrieren.

Übungen für mehr Achtsamkeit der Mitarbeitenden

Neben dem gezielten Training sozialer Situationen hilft auch Entspannung bei der Verringerung des Stressempfindens und damit bei der Stärkung der Widerstandsressourcen. Körperorientierte Bewusstseinsübungen gehören zu den beliebtesten Techniken zum Erlernen der Achtsamkeitsmeditation. Es gibt Übungen zur Achtsamkeit, die sich in kürzerer Zeit im Unternehmen realisieren lassen:

  • Kein Multitasking mehr: Die Mitarbeitenden sollten hierbei stets der Aufgabe, der sie im Moment nachgehen, die volle Aufmerksamkeit schenken. Das bedeutet beispielsweise, dass sie beim Telefonieren nicht gleichzeitig den E-Mail-Eingang durchsehen. Beim Essen sollte die Konzentration der Nahrungsaufnahme dienen und nicht z.B. der Zeitung oder dem Handy.
  • Kult der Stille. Die Mitarbeiter sollten täglich bewusst Momente der Stille suchen. Begonnen werden kann dabei mit 15 Minuten pro Tag. In dieser Zeit richtet sich die Aufmerksamkeit auf den Atem, der als Schnittstelle zwischen Aussen- und Innenwelt gilt. Dadurch werden die Mitarbeiter ruhiger. Diese Übung lässt sich in eine Pause integrieren. Fortschrittliche Unternehmen bieten hierfür einen Ruheraum an.
  • Perspektivenwechsel: Eine wichtige Erkenntnis der Achtsamkeit ist die Tatsache, dass sich bestimmte Situationen nicht ändern lassen, aber die Einstellung zu den Situationen. Aus diesem Grund können die Mitarbeiter trainieren, zu bestimmten Sorgen eine positive Einstellung einzunehmen.
  • Regelmässige Offline-Zeiten: Medienfreie Zeiten sollten dazu dienen innerlich zur Ruhe zu kommen.
  • Dankbarkeit leben: Gegen Unzufriedenheit hilft das Gefühl der Dankbarkeit. Dazu sollten bewusst Dinge (Erlebnisse, Erfolge, Benefits) aufgeführt werden, für die der Mitarbeiter dankbar ist. Das Gefühl der Dankbarkeit sollte bewusst erspürt werden.

Die Auswertung vieler Forschungen ergaben, dass das Praktizieren von Achtsamkeitsmeditation zu einer höheren Produktivität und Konzentration führte, während Belastungsempfinden und Stress zurückgingen. Daher kann es Sinn machen, wenn Unternehmen entsprechende Angebote in das betriebliche Gesundheitsmanagement integrieren. Der Vorteil dabei ist, dass sich entsprechende Übungen günstig und ohne Aufwand in den Alltag integrieren lassen. Demnach ist der Nutzen für die Unternehmen sowie die Mitarbeitenden hoch. Die ständige Beschleunigung der Lebens- und Arbeitswelt erzwingt geradezu eine Entschleunigung, wenn der Mensch als Arbeitnehmer in ihr bestehen will.
Nicht unerwähnt bleiben dürfen allerdings die kritischen Anmerkungen zur Achtsamkeitsmeditation. Der meditierende Mensch wird nicht automatisch zu einem wohltätigen Menschen. Deshalb kann auch nicht davon ausgegangen werden, dass sich das Unternehmensklima durch Meditation sofort und unbedingt verbessert. Auch lassen sich Probleme und Krisen nicht allein durch Anpassungsbereitschaft lösen. Wenn das so wäre, dann würde der Mensch Missstände künftig kritiklos hinnehmen. Das steht aber der vernünftigen Entwicklung der Gesellschaft entgegen, die sich nur durch aktives Handeln verändern kann. Die Kombination von gelebter AchtsSandro Pisaneschiamkeit und aktiver Tatkraft führen schlussendlich zu mehr Wohlbefinden der Mitarbeitenden und zur Weiterentwicklung der Unternehmen.
Sandro Pisaneschi ist Inhaber von beratungsbuffet.ch. Er begleitet Menschen in Veränderungssituationen und führt Outplacements mit Personen über 50 Jahre durch. Er berät Führungspersonen und Firmen in den Bereichen der Mitarbeiter- und Organisationsentwicklung.

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