Gesundheitlich beeinträchtigte und beschränkt leistungsfähige Mitarbeitende – zwischen Menschlichkeit und Führungsverhalten

Handshake

Nach monatelanger Genesung kehrt ein(e) Mitarbeiter(in) wieder an den Arbeitsplatz zurück. Alle freuen sich auf die Unterstützung bei der zu bewältigenden Arbeit und dann stellt man fest, dass es nicht so ist wie vorher. Diese neue Situation kann jedoch für das ganze Team, die Vorgesetzten und die betroffene Person, eine grosse Belastung sein. Wie gehen Sie damit am besten um?
Eventuell sind während der Abwesenheit des/der Mitarbeitenden neue Mitarbeitende ins Team hinzugekommen, andere haben das Unternehmen verlassen. Die Dynamik hat sich verändert und die Freude über das neue, alte Teammitglied hält sich bei einigen in Grenzen. Das Team stellt fest, dass sich der vorher sehr gesellige Kollege zurückzieht in den Pausen, über die Mittagspause alleine weggeht oder sich an Teamanlässen sehr früh verabschiedet. Oder dass sich die vorher fürsorgliche Kollegin mit einem immer offenen Ohr für Anliegen stark auf die Arbeit konzentriert und bei Ablenkung harsch reagiert.
Wie geht ein Team mit einer solchen Situation um? Wie verhalten sich Vorgesetzte am besten? Ganz nach Darwin könnte man sagen, dass alle Mitarbeitenden ihre Leistung zu erbringen haben und basta. Jedoch haben wir in einer zivilisierten Gesellschaft auch im Arbeitsalltag die Aufgabe, uns um die Reintegration unserer Mitmenschen zu kümmern. Daher gebe ich bei solchen Beratungen oft folgende Tipps für Vorgesetzte:

  • Besprechen Sie vor dem Arbeitsstart mit der betroffenen Person den ersten Arbeitstag. Dazu gehört die Startzeit, wer den/die Mitarbeiter/in empfängt, was genau dem Team vorgängig kommuniziert wird, welche Aufgaben zu Beginn erledigt werden und wer der erste Ansprechpartner sein wird. Ein gemeinsamer Znüni arbeitet auch auf der emotionalen Ebene und gibt die Möglichkeit sich (wieder) näherzukommen und den Start zu erleichtern.
  • Klären Sie mit dem/der Mitarbeitenden betreffend seiner/ihrer Rückkehr auf. Wer teilt wann was mit? Dies erleichtert den Einstieg massiv.
  • Orientieren Sie das Team über die Rückkehr und auch über eventuelle Besonderheiten
  • Fragen Sie in den ersten Arbeitstagen zwischendurch bei der/dem Mitarbeitenden nach seinem/ihrem Befinden.
  • Schaffen Sie einen Götti/Gotte, welche/r Sie entlastet und sich auf diese Weise einbringen möchte.
  • Suchen Sie bei Unsicherheiten Unterstützung von Fachpersonen (Arzt, IV-Stelle, Coach, Case Manager). Die behandelnden Ärzte können im Einverständnis der Patienten nachvollziehbare Erklärungen geben. Oft macht dies, ohne auf die konkrete Diagnose einzugehen, auch der Job Coach oder der Case Manager. Dabei wird das Gewicht vor allem auf die zu verrichtende Arbeit gelegt und welche Bedingungen förderlich sind, um die Aufgaben im Betrieb zu meistern. Dies können Tipps zu Hilfsmitteln z.B. Stehtischen, angepassten Sitzgelegenheiten oder angepasstem Führungsverhalten sein.

Mitarbeitende in Teams, welche gut auf die Rückkehr des Teammitglieds vorbereitet sind, zeigen oft Verständnis für die nicht immer ganz einfache Situation und sind auch bereit, diese mitzutragen. Aber auch die Betroffenen haben Aufgaben. Die wichtigste davon ist jene, mitzuteilen, welche Unterstützung sie gerade benötigen und wie auf allfällige ungewohnte Situationen zu reagieren ist.
Es kann auch vorkommen, dass im Berufsalltag festgestellt wird, dass die Leistung nicht mehr derjenigen entspricht, welche erwartet wird. Diese Situation kann Vorgesetzte in ein Dilemma bringen. Einerseits möchte man den Kollegen oder die Kollegin unterstützen und andererseits müssen Ziele erreicht werden. In diesen Situationen gilt es, diese rasch anzusprechen und Massnahmen einzuleiten. Dies können unterstützende Massnahmen sein, welche es dem/der Mitarbeitenden ermöglichen, langsam wieder auf den alten Stand zu kommen, eine Anpassung des Arbeitsplatzes oder eine andere Funktion im Betrieb. Dazu verfügen die IV-Stellen über ein ausgezeichnetes Netz an internen und externen Job-Coaches welche Unternehmen unterstützen. Geben Sie Ihrem Team und dem betroffenen Mitarbeiter eine Chance. Sie senden dabei ein sehrSandro Pisaneschi positives Signal an alle Mitarbeitenden.
Sandro Pisaneschi ist Inhaber von beratungsbuffet.ch. Er begleitet Menschen in Veränderungssituationen und führt Outplacements mit Personen über 50 Jahre durch. Er berät Führungspersonen und Firmen in den Bereichen der Mitarbeiter- und Organisationsentwicklung.

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