Q2 Update: Der Schweizer Arbeitsmarkt zwischen Kriegsschock, Erholung und strukturellem Wandel

IN KÜRZE

Im zweiten Quartal 2026 sank die unbereinigte Arbeitslosenquote leicht auf 2,9 %, während die aktiven Inserate auf den JobCloud Plattformen rund 28 % unter dem Vorjahresniveau lagen. Gleichzeitig stieg die Zahl der gestarteten Bewerbungen pro Inserat zeitweise um knapp 50 %. Neben der schwachen Konjunktur verändert KI die Nachfrage nach Arbeitskräften: Praktische Berufe gewinnen an Bedeutung, während viele wissensbasierte und KI-exponierte Berufsfelder unter Druck geraten.

Das zweite Quartal 2026 begann im Schatten des Nahost-Konflikts: Die Eskalation zwischen den USA/Israel und dem Iran liess die Ölpreise markant steigen und veranlasste die Expertengruppe des Bundes, ihre Wachstumsprognose für 2026 auf 0,9 % zu senken. Zum Ende des Quartals hellte sich das Bild jedoch überraschend auf: Das KOF Konjunkturbarometer, ein vorausschauender Sammelindikator für die Schweizer Konjunktur, stieg im Juni um 2,6 Punkte und somit auf 101,2 Zähler; ein Wert, der von Ökonominnen und Ökonomen nicht erwartet wurde.

Der Arbeitsmarkt selbst zieht diesem konjunkturellen Silberstreifen bislang nur zögerlich nach – ein für Frühindikatoren typisches Muster.

Die wichtigsten Kennzahlen im Überblick

Gemäss SECO sank die unbereinigte Arbeitslosenquote im Quartalsverlauf leicht von 3,0 % (April und Mai) auf 2,9 % im Juni; saisonbereinigt verharrte sie bei 3,1 % – der zugrunde liegende Trend zeigt also weiterhin leicht nach oben. Aussagekräftiger ist der Vorjahresvergleich: Der Anstieg der Arbeitslosenzahlen verlangsamte sich von +9,8 % im April über +9,6 % im Mai auf +8,6 % im Juni. Die Lage verschlechtert sich somit noch, aber von Monat zu Monat langsamer.

Arbeitslosenquote in 2026

Regional bleibt das bekannte Gefälle bestehen: Die Deutschschweiz verzeichnete im Juni eine Quote von 2,5 %, die Westschweiz und das Tessin 3,9 %, mit Genf (5,0 %) und Waadt (4,7 %) an der Spitze.

Im Jahresvergleich verzeichnete der Stellenmarkt in der Gesamtschweiz und in der Deutschschweiz einen Rückgang der offenen Stellen von je 1 %, während die Lateinische Schweiz mit einem Rückgang von 2 % stärker betroffen war. Besonders die Nordwestschweiz litt unter der Zurückhaltung der exportorientierten Pharmaindustrie.

Was wir im 2. Quartal 2026 auf unseren Plattformen beobachtet haben

Die Zurückhaltung der Unternehmen zeigt sich auch auf unseren Plattformen deutlich: Im Durchschnitt des zweiten Quartals lagen die aktiven Inserate rund 28 % unter dem Vorjahresniveau. Dabei zeigte sich eine deutliche Verbesserung im Quartalsverlauf, insbesondere im Juni. Dieser Aufschwung deckt sich zeitlich mit der Erholung des KOF-Barometers.

Ganz anders präsentiert sich die Kandidat:innen-Seite: Das Interesse der Stellensuchenden blieb praktisch ungebrochen. Im Juni lagen die Job-Ansichten sogar leicht über dem Vorjahreswert (+0,2). Noch deutlicher zeigt sich die gestiegene Intensität des Wettbewerbs bei den Bewerbungen: Pro Inserat verzeichneten wir im April 36 % mehr gestartete Bewerbungen als im Vorjahr, im Mai sogar knapp 50 % mehr und im Juni plus 22 %.

Mehr Bewerbungen wurden gestartet in 2026 bei jobs.ch

Strukturwandel durch KI: Warum der Wettbewerb um Jobs so ungleich verteilt ist

Die deutlich gestiegene Bewerbungsintensität ist kein reiner Konjunktureffekt, sondern auch Symptom eines tiefgreifenden strukturellen Wandels. Unser kürzlich publizierter jobs.ch KI Report 2026 macht auf Basis von 7,3 Millionen ausgewerteten Stelleninseraten sichtbar: Der Schweizer Arbeitsmarkt verändert sich.

Besonders aufschlussreich ist der sogenannte Scarcity-Index, der das Verhältnis zwischen Nachfrage und verfügbaren Arbeitskräften misst. Für KI-exponierte Berufe – dazu zählen Administration/HR, Banking, Finanzen, Marketing, Einkauf, Vertrieb und IT – sank dieser Index seit 2023 um 69 %. Diese Stellen lassen sich heute deutlich einfacher besetzen. Gleichzeitig stieg der Index für weniger KI-exponierte, oft praktische Berufe um 19 %. Eine Pflegefachkraft ist heute achtmal schwieriger zu finden als noch 2023.

Der Schweizer Arbeitsmarkt verändert sich.

Auch der Anteil der Stelleninserate von Junior-Positionen in der Schweiz ist im Jahr 2025 im Vergleich zum Durchschnitt der Jahre 2019–2022, also der „Pre-KI-Phase», um 32 % zurückgegangen. Dieser Trend zeigt sich besonders in sogenannten KI-exponierten Berufen, die fast die Hälfte aller analysierten Stelleninserate (44 %) ausmachen.

Der Adecco Job Index Q2 bestätigt diese strukturelle Verschiebung: Während Gesundheitsberufe einen Zuwachs von 17 % verzeichneten und Fachkräfte in Handwerk und Industrie um 12 % zulegten, gingen naturwissenschaftliche Berufe (−18 %), akademische Berufe (−12 %) sowie Bürokräfte und verwandte Berufe (−6 %) zurück. Die Schere zwischen praktischen und wissensbasierten Berufen öffnet sich weiter.

Fazit: Ein Arbeitsmarkt im Umbruch – zwischen konjunktureller Hoffnung und strukturellem Wandel

Das zweite Quartal 2026 hat deutlich gemacht: Der Schweizer Arbeitsmarkt durchläuft eine Phase doppelter Transformation. Während die konjunkturelle Erholung im Juni erste zaghafte Signale sendet, vollzieht sich im Hintergrund ein tiefgreifender struktureller Wandel, der durch künstliche Intelligenz beschleunigt wird.

Die gute Nachricht: Die Verlangsamung des Arbeitslosigkeitsanstiegs und der Juni-Aufschwung bei den Stelleninseraten deuten darauf hin, dass der Negativtrend möglicherweise seinen Wendepunkt erreicht hat. Die Korrelation zwischen KOF-Barometer und Inserateentwicklung lässt auf eine vorsichtige Belebung in den kommenden Monaten hoffen.

Die Herausforderung: Der Wettbewerb um Stellen hat sich fundamental verändert. Mit bis zu 50 % mehr Bewerbungen pro Inserat kämpfen Kandidat:innen, insbesondere in KI-exponierten Berufsfeldern, um deutlich weniger Positionen. Gleichzeitig fehlen Fachkräfte dort, wo KI die Arbeit (noch) nicht ersetzt: in der Pflege, im Handwerk und in dienstleistungsnahen Bereichen.

Der im KI-Report sichtbare Rückgang an Einstiegspositionen mag kurzfristig nachvollziehbar sein – langfristig birgt er jedoch ein Risiko. Wer heute ausschliesslich auf Erfahrung statt Nachwuchs setzt, verkleinert den Pool künftiger Fachkräfte genau dort, wo der Mangel ohnehin strukturell vorhanden ist. Junior-Positionen bleiben die Pipeline, aus der sich Berufseinsteigende zu den Expertinnen und Experten von morgen entwickeln.

Für Stellensuchende gilt weiterhin: Wer flexibel ist und über gefragte überfachliche Kompetenzen verfügt, hat trotz eines selektiveren Marktes gute Chancen – wenngleich der Weg zur neuen Stelle im Schnitt länger dauert als in den Boomjahren nach Corona.

Und zum Abschluss: Unser vollständiger jobs.ch KI Report 2026 mit detaillierten Branchenanalysen, Regionaldaten und Handlungsempfehlungen steht für Sie kostenlos zur Verfügung.

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Quellen:

  • Interne JobCloud Daten
  • jobs.ch KI Report 2026
  • Adecco Group Swiss Job Market Index Q2 2026
  • SECO – Die Lage auf dem Arbeitsmarkt, April/Mai/Juni 2026
  • SECO – Konjunkturprognosen Juni 2026 (Expertengruppe Konjunkturprognosen des Bundes)
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