Der Schweizer Arbeitsmarkt findet den Boden, der Strukturwandel geht weiter

Auf einen blick

Der Schweizer Arbeitsmarkt hat im dritten Quartal 2026 den Boden gefunden: Die Arbeitslosenquote blieb bei 3,0%, und der Adecco Group Swiss Job Market Index stieg um 0,8% gegenüber dem Vorquartal. Auf den JobCloud-Plattformen lagen die aktiven Stelleninserate rund 20% unter dem Vorjahr, während die gesendeten Bewerbungen pro Inserat um rund 70% zunahmen. Gleichzeitig bleibt der Fachkräftemangel auf einzelne Berufsgruppen konzentriert, insbesondere in Pflege und Handwerk.

Im zweiten Quartal 2026 hatte der Juni erste Signale einer Stabilisierung gesendet. Das dritte Quartal brachte die Bestätigung: Der Schweizer Arbeitsmarkt scheint den Boden gefunden zu haben. Das heisst, die negative Entwicklung ist gestoppt. Von einer breiten Zunahme lässt sich zwar noch nicht sprechen, doch der Abwärtstrend ist vorerst zu Ende.

Das wirtschaftliche Umfeld blieb herausfordernd, aber weniger belastend als zu Jahresbeginn befürchtet. Der Nahost-Konflikt und die damit verbundenen Energiepreisrisiken verloren im Quartalsverlauf an Schärfe. Gleichzeitig blieben der starke Franken, die Unsicherheit rund um die US-Importzölle und die schwache internationale Nachfrage Bremsfaktoren. Zudem machten Entlassungswellen bei Sunrise, Raiffeisen Schweiz, Zimmer Biomet, TX Group und weiteren die Runde. Doch der KOF-Beschäftigungsindikator verbesserte sich leicht und stützt damit die Stabilisierung am Arbeitsmarkt.

Der Arbeitsmarkt reagiert auf solche Entwicklungen typischerweise mit Verzögerung. Entscheidend ist aber: Die Zahl der Arbeitslosen lag zwar weiter über dem Vorjahr, doch der Anstieg verlangsamte sich von Monat zu Monat.

Die wichtigsten Kennzahlen im Überblick

Gemäss SECO blieb die Arbeitslosenquote im gesamten dritten Quartal stabil bei 3,0% (Juli, August und September); saisonbereinigt lag sie bei 3,1%.

Am aussagekräftigsten ist der Vergleich mit dem Vorjahr, und er erzählt die eigentliche Geschichte des Quartals: Die Zahl der Arbeitslosen lag zwar weiter über dem Vorjahr, doch der Anstieg wurde Monat für Monat kleiner, von +7,8% im Juli über +7,1% im August auf +5,4% im September.

Ein ermutigendes Signal kommt von den offenen Stellen: Die Zahl der bei den Regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV) gemeldeten offenen Stellen lag im September 2026 um 18,3% höher als im Vorjahr. Auch die Kurzarbeit war weiter rückläufig. Beides zeigt, dass sich die Lage in den Betrieben stabilisiert.

Ein wichtiger Gradmesser ist der Adecco Group Swiss Job Market Index. Er misst, wie viele offene Stellen die Unternehmen in der Schweiz ausschreiben. Im dritten Quartal 2026 stieg er um 0,8% gegenüber dem Vorquartal und um 0,8% gegenüber dem Vorjahr. Zur Einordnung: Ein Plus von 0,8% ist noch kein kräftiger Aufschwung, sondern eine vorsichtige Stabilisierung. Der Negativtrend der letzten Quartale ist aber gebrochen.

Was wir auf unseren Plattformen beobachten

Im dritten Quartal zogen vor allem die Bewerbungen wieder an. Bei den gesendeten Bewerbungen war der September der stärkste Monat des ganzen Jahres.

Bei den Stelleninseraten bleiben die Unternehmen zurückhaltend, aber weniger stark als zuvor: Im dritten Quartal lag die Zahl der aktiven Inserate rund 20% unter dem Vorjahr, und über das Quartal hinweg blieb das Niveau stabil.

Interessant wird es beim Blick auf die einzelne Stelle. Weil weniger Inserate ausgeschrieben werden, das Interesse der Stellensuchenden aber hoch bleibt, entfallen auf jede Stelle deutlich mehr Bewerbungen als im Vorjahr:

Gestartete Bewerbungen pro Inserat: rund +25%

Gesendete Bewerbungen pro Inserat: rund +70%

Entwicklung der Bewerbungen auf den JobCloud-Plattformen im Jahr 2026, indexiert auf den Januar (Januar = 100). Ein Wert von 110 bedeutet 10% über dem Januar-Niveau. Quelle: Interne JobCloud Daten, plattformübergreifend.

Für Arbeitgeber bedeutet das mehr Auswahl pro ausgeschriebene Stelle, für Stellensuchende mehr Konkurrenz um jede Stelle. Der Wettbewerb pro Stelle bleibt weiterhin intensiv, auch wenn sich der Markt insgesamt stabilisiert.

Der Mangel ist punktuell, nicht breit

Die Zunahme erfasst nicht den ganzen Markt. Insgesamt werden eher wenige Stellen ausgeschrieben, und das Wachstum konzentriert sich auf einige wenige Berufe. Am stärksten gewachsen ist die Zahl der offenen Stellen über die letzten zehn Jahre (2015/16 bis 2025/26) in handwerklichen und technischen Berufen, mit +131% gegenüber nur +30% über alle Berufe hinweg. Besonders kräftig waren Bau und Ausbau (+173%), Elektrik und Elektronik (+134%) sowie Polymechanik und Fahrzeugmechanik (+127%).

Doch selbst dort, wo viele Stellen offen sind, herrscht nicht zwingend ein Fachkräftemangel. Ob ein Beruf als Mangelberuf gilt, hängt davon ab, wie viele passende Stellensuchende es für diese Stellen gibt. Und hier hat sich der Mangel seit 2023 breit entspannt: Nur noch 4 von 32 Berufsgruppen gelten überhaupt als Mangelberufe. Einfacher zu besetzen sind heute vor allem wissensbasierte Bürojobs. Knapp bleiben die Fachkräfte dort, wo praktische Arbeit gefragt ist, etwa in der Pflege und im Handwerk.

Das Problem ist also nicht die Menge der offenen Stellen, sondern dass sie dort offen sind, wo zu wenige passende Kandidat:innen suchen. Genau dieses Missverhältnis sehen wir auch auf unseren eigenen Plattformen.

Angebot und Interesse liegen auseinander

Legt man zwei Ranglisten nebeneinander, die Berufe mit den meisten Inseraten und die Berufe mit den meisten Aufrufen durch Kandidat:innen, zeigt sich ein deutlicher Gegensatz. Bei den Inseraten dominieren Pflege und Handwerk: meistbeworben ist die Pflege, gefolgt von Bau und Gerüstbau, Sanitär und Dach sowie Tiefbau und Elektroinstallation. Bei den Aufrufen durch die Kandidat:innen sieht es ganz anders aus. Am meisten angesehen werden Stellen in Sekretariat und Empfang, Übersetzung, Produktion, öffentlicher Verwaltung und Detailhandel.

Die beiden Ranglisten überschneiden sich also kaum. Dort, wo Arbeitgeber am dringendsten suchen, fehlen ausgebildete Kandidat:innen. Und dort, wo die Aufmerksamkeit der Stellensuchenden am grössten ist, wird wenig ausgeschrieben, dafür drängen sich besonders viele Bewerbungen auf wenige Stellen. Das erklärt, warum trotz eines insgesamt schwachen Marktes in einzelnen Berufen weiterhin ein akuter Mangel besteht.

Fazit: Der Boden ist gefunden, der Wandel bleibt

Das dritte Quartal 2026 bestätigt, was sich im Juni angedeutet hatte: Der Negativtrend ist gebrochen. Die Arbeitslosenquote ist stabil, der Anstieg der Arbeitslosigkeit im Vorjahresvergleich wird von Monat zu Monat kleiner, die Zahl der offenen Stellen liegt über dem Vorjahr und der Adecco-Index steigt wieder. Von einem kräftigen Aufschwung sind wir weit entfernt, aber der Abwärtstrend ist gestoppt.

Gleichzeitig bleibt der Arbeitsmarkt im Ungleichgewicht. Die Zunahme verteilt sich ungleich über die Berufe, und das Angebot der Arbeitgeber deckt sich nur selten mit dem, wofür sich die Kandidat:innen interessieren. Während in Pflege und Handwerk Fachkräfte fehlen, drängen sich bei den Büro- und Verwaltungsberufen viele Bewerbungen auf wenige Stellen.

Für Stellensuchende gilt weiterhin: Wer flexibel ist und über gefragte Kompetenzen verfügt, hat gute Chancen, auch wenn der Weg zur neuen Stelle im Schnitt länger dauert als in den Boomjahren nach Corona. Und während sich Wirtschaft und Technologie weiter wandeln, bleibt unser Auftrag der gleiche: Wir sorgen für Reichweite, Transparenz und Marktwissen, damit Unternehmen und Talente auch in einem Markt im Umbruch zueinanderfinden.

Quellen:

Interne JobCloud Daten

University of Zürich / Adecco Group Swiss Job Market Index Q3 2026

SECO, Die Lage auf dem Arbeitsmarkt, Juli/August/September 2026

SECO, KOF-Beschäftigungsindikator

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