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Gender-Diversity im Recruiting

Wie sieht ein gender-gerechtes Recruiting aus und wie können im Rekrutierungsprozess beide Geschlechter angesprochen und erreicht werden? Anlässlich des International Women’s Day haben wir Möglichkeiten zusammengefasst, durch welche anderen Massnahmen es gelingen kann, die Geschlechter im Unternehmen besser zu verteilen.

Beide Geschlechter im Stelleninserat ansprechen

Im Sinne der Gleichberechtigung sollten Sie bereits im Stellentitel darauf achten, diesen geschlechtsneutral zu verfassen und auch im gesamten Text des Stelleninserats sowohl die weibliche als auch die männliche Form zu berücksichtigen bzw. geschlechtsneutrale Ausdrücke wie Studierende, Lernende oder Mitarbeitende zu verwenden.

Stelleninserate genderneutral zu verfassen reicht jedoch nicht aus. In vielen Branchen bzw. Führungsebenen fehlt es nach wie vor an ausreichend Bewerbungen von Frauen. Um diese zu einer Bewerbung zu ermutigen und sie zu motivieren, den Schritt in eine «Männerdomäne» zu wagen, macht es Sinn, im Stelleninserat Frauen gezielt anzusprechen. Formulierungen wie «Wir ermutigen ausdrücklich auch Frauen, sich bei uns zu bewerben» oder «Ganz besonders freuen wir uns auch über Bewerbungen von Frauen» können die Anzahl an Bewerbungen von Frauen erhöhen.

Frauen lesen Jobinserate anders als Männer

Das Leseverhalten von Frauen unterscheidet sich von jenen von Männern – auch bei Stelleninseraten. Die Eye-Tracking Studie von jobware.de hat das Leseverhalten von Frauen und Männern bei Online-Stellanzeigen analysiert und dabei festgestellt, dass die gewählten Formulierungen und die Wortwahl einen Einfluss darauf nehmen, ob sich mehr Männer oder Frauen bewerben. Während Männer etwa mehr Zeit damit verbringen, sich das Unternehmensprofil anzusehen, schauen Frauen viel genauer auf das Anforderungsprofil und die Qualifikationen.

Anforderungsprofil realistisch darstellen

Lassen sich Männer nicht davon abschrecken, wenn im Stelleninserat die Latte an Anforderungen für den Job besonders hochgelegt wird, so schreckt diese viele Frauen ab und lässt sie von einer Bewerbung absehen. Laut der Eye-Tracking-Studie haben Männer viel weniger Hemmungen, sich zu bewerben, auch wenn sie nicht alle Kriterien erfüllen. Für Frauen hingegen muss im Stellenangebot alles stimmen und sie müssen allen Anforderungen entsprechen, bevor sie sich wirklich bewerben. Achten Sie also darauf, das Anforderungsprofil für das Stelleninserat realistisch zu gestalten und so nicht durch zu hohe Ansprüche passende Kandidaten (und vor allem Kandidatinnen) zu verlieren. Eine Differenzierung und eine getrennte Angabe von unbedingt notwendigen und optionalen Kenntnissen im Stelleninserat ist dafür empfehlenswert.

Auf die Wortwahl in Jobangeboten achten

Eine Studie der Technischen Universität München belegt, dass «männlich» konnotierte Wörter Frauen davon abschrecken, sich für eine Stelle zu bewerben. Männer im Gegensatz lassen sich durch bestimmte Formulieren nicht verwirren. Adjektive wie durchsetzungsstark, offensiv, aggressiv, zielstrebig, selbständig oder auch analytisch lösen bei Frauen in vielen Fällen Unsicherheit aus. Verwenden Sie also im Sinne einer diversity-freundlichen Kommunikation eher Adjektive wie engagiert, gewissenhaft oder kontaktfreudig. Natürlich können auch Frauen als «männlich geltende» Eigenschaften besitzen. Das gleiche gilt auch für Männer bei Eigenschaften, die eher dem weiblichen Geschlecht zugeschrieben werden. Wichtig ist dabei, dass sie sich diesen Zuschreibungen bewusst sind und dass diese Adjektive möglicherweise einen Einfluss auf die Bewerbungen haben, die bei Ihnen eingehen.

Im Rahmen der JobCloud Market Insights hat JobCloud untersucht, was die meistverwendeten Wörter in Stelleninseraten sind und festgestellt, dass es noch grosses Entwicklungspotenzial gibt.

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Kultur muss auch gelebt und Gender Bias müssen abgebaut werden

Auch wenn im Stelleninserat bewusst auf Frauen eingegangen wird und «männliche» Formulierungen vermieden wird, so nützt dies nichts, wenn die Diversity-Kultur im Unternehmen nicht auch gelebt wird und nach wie vor Vorurteile und Gender Bias gegenwärtig sind. Stellen Sie also im Rahmen eines ehrlichen Employer Branding die Arbeitsbedingungen und das Arbeitsumfeld so dar, wie es wirklich ist und bleiben Sie authentisch. Es bringt nichts, wenn Sie dezidiert Frauen ansprechen und in Ihrem Unternehmen eine völlig andere Mentalität vorzufinden ist. Was jedoch noch wichtiger ist: Sorgen Sie auch dafür, dass Vorurteile gegenüber Frauen in Ihrem Unternehmen keinen Platz finden und eine Kultur gelebt wird, in der Menschen beider Geschlechter, jeder sexuellen Orientierung, jeder Religion und jeder Herkunft mit Respekt behandelt werden.

Familienfreundliche Arbeitsbedingungen schaffen

Es ist nun einmal (noch) eine Tatsache, dass Frauen eher in Teilzeit arbeiten und sich oft auch mehr um die Kinderbetreuung kümmern (müssen) als Väter. Daher ist es sehr wichtig, in Ihrem Unternehmen – wenn Sie es nicht schon getan haben – familienfreundliche Arbeitsbedingungen zu schaffen. Sowohl gleitende Arbeitszeit als auch Teilzeitarbeit oder Jobsharing sind dazu relevante Arbeitszeitmodelle, denen sich heutzutage kein Unternehmen mehr verschliessen sollte. Genauso sollte es auch für Väter möglich sein, in Teilzeit zu arbeiten, wenn sie sich der Kinderbetreuung widmen möchten.

Benefits für beide Geschlechter anbieten

Frauen und Männer fühlen sich nicht durch alle Benefits auf dieselbe Art angesprochen. Achten Sie darauf, ein ausgeglichenes Angebot an Kultur- und Sportaktivitäten, Gutscheinen usw. anzubieten, um beide Geschlechter gleichermassen zu befriedigen. Eine Diversität von Benefits ist nicht nur wichtig, um Frauen/Männer anzusprechen, sondern auch um allgemein die verschiedenen Interessen abzudecken und so ein grösstmögliches Publikum an Kandidatinnen und Kandidaten zu erreichen.

Geschlechtsneutrale Karrierewebsite gestalten

Nicht nur Ihre Stelleninserate sollten geschlechtsneutral sein, sondern auch Ihre Karrierewebsite. Daher ist es ratsam, auf Ihrer Website anstelle von Studenten nach Studierenden zu suchen und nicht Lehrlinge, sondern Lernende anzusprechen. Nicht nur der Text muss stimmen, sondern vor allem auch die Bilder. Stellen Sie sicher, dass Sie sowohl Fotos von Männern als auch von Frauen auf Ihrem gesamten Internetauftritt haben. Gleiches gilt auch für das Firmenportrait, das Sie auf jobs.ch gestalten können, um so mehr potenzielle Kandidatinnen und Kandidaten zu erreichen.

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Daniel Kobell
sagte am März 14, 2018 at 10:28 am :

Ein guter Hinweis, wie ein Unternehmen mehr Frauen ansprechen kann. Was bei der Beschreibung auffällt, ist, dass neben der geschlechtsneutralen Wortwahl vor allem Forderungen nach besseren Arbeitsbedingungen angeführt werden.
Frage: Ist es Aufgabe der Arbeitgeber, für Frauen die besseren Arbeitsbedingungen zu stellen, um mehr Frauen anzuwerben? Ich denke Nein. Gleicher Lohn? Klar Ja, aber warum noch Kita und Benefits extra für Frauen?
Ist es nicht wichtiger endlich Lohngleichheit durchzusetzen und Anstellungshürden in den Köpfen der meisten HR-Leute auszuräumen. Beispiele? Das Foto muss 08-15 sein und trotzdem auffallen. Das CV wird nicht gelesen, sondern nach Checkliste abgehandelt. Jahrgangskiller für alle über 40 mit der Forderung nach «langjähriger» Erfahrung. Diplome und Zertifikate nach Muster ohne Wert. Überqualifizierung, obschon die Person die Arbeit gerne machen würde. Unterqualifikation, weil ein Detail «nur» in der Praxis erlernt wurde. Das nur ein paar wenige Beispiele.
Meine Erfahrungen als FH-Dozent und RAV-Kursleiter zeigen, dass die HR zu oft mit dem Stellenbeschrieb überfordert ist und dadurch Spitzenkandidierende wegen «Details» aussortieren. Also Mitarbeitende welche das Unternehmen dringend benötigt und die von der betroffenen Abteilung mit Handkuss angestellt würden.

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