50+ ist das eigentliche 45+

Veröffentlicht am 21 Januar 2016 in Schweizer Online-Stellenmarkt
3 min

AbgelehntJa richtig, ich komme wieder mit dem Thema „Die Alten“. Jedoch dieses Mal mit einem etwas anderen Fokus. Ist es Ihnen auch schon aufgefallen? Es sind nicht mehr nur die über 50-Jährigen, die um ihren Job bangen und um Zusagen beten. Auch in den Stellenanzeigen sieht man es vermehrt: „Sie sind zwischen 28 und 45 Jahre alt …“ Muss man sich jetzt schon ab 45 Sorgen um Job und Zukunft machen? Dabei war ich der festen Überzeugung, dass in diesem Alter die viel gepriesene „Erfahrung“ erst richtig zur Geltung kommt. Studium bis 26, anschliessend ein Praktikum und dann die erste richtige Stelle mit ca. 28 Jahren. Bis man dann auf so etwas wie Erfahrung zurückgreifen kann, braucht es doch noch einige Jahre. Oder zählt das Diplom bereits als Erfahrung?

Ja und wie sieht es bei der Berufslehre aus? Plakativ ausgedrückt: Mit 20 Jahren ist man spätestens ausgelernt und mit 25 ein Profi, sofern ein Unternehmen den Bewerbenden, die noch grün hinter den Ohren sind, eine Chance bietet. Bis 35 sind die Arbeitnehmer gefragt und mit 45 Jahren werden sie zu teuer, weil jemand mit 25 schneller und günstiger ist.

Einem möglichen Erklärungsansatz, wieso Jüngere bevorzugt werden, begegne ich in meinen Beratungen sehr oft. Es handelt sich um die Fertigkeiten in den Bereichen neue Medien, Computerkenntnisse und digitale Organisation. Bei diesen Themen stelle ich fest, dass Menschen der Generation Y – auch Digital Natives genannt – nicht nur mit der Anwendung neuer Technologien sehr vertraut sind, sondern auch die Bereitschaft haben, Neuentwicklungen auszuprobieren und in die Arbeitsorganisation einfliessen zu lassen. Das Gegenteil erlebe ich immer wieder bei Personen über 45: eine Agenda in Form eines Büchleins, E-Mail nicht auf dem Smartphone installiert, Adressdaten werden fein säuberlich im physisch vorhandenen Adressbuch oder in Excel-Listen erfasst etc. Sie hinterfragen kritisch, was mit den elektronisch erfassten Daten geschehen könnte. Diese Bedenken haben jüngere Arbeitnehmende weniger. Damit will ich nicht behaupten, dass das eine oder andere besser ist.

Doch was sind weitere Gründe? Sind es Vorgesetzte, die bei 45-Jährigen Konkurrenz fürchten? Sind es monetäre oder versicherungstechnische Gründe? Ich kann es mir nicht abschliessend erklären. Haben Sie evtl. weitere Erklärungen? Ich habe zurzeit viele offene Fragen und freue mich auf Ihr Feedback.

Sandro PisaneschiSandro Pisaneschi ist Inhaber von beratungsbuffet.ch. Er begleitet Menschen in Veränderungssituationen und führt Outplacements mit Personen über 50 Jahre durch. Er berät Führungspersonen und Firmen in den Bereichen der Mitarbeiter- und Organisationsentwicklung.

 

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Vincenzo Paolino
sagte am Januar 22, 2016 at 9:05 am :

Hallo

Ich denke, dass ein wichtiger Grund ist, auch wenn er nicht offen ausgesprochen wird: Die Beiträge an die Altersvorsorge sind für ältere Mitarbeitende um Einiges höher. Ich persönlich finde dieses Anreizsystem angesichts der demographischen Entwicklung ziemlich widersinnig. Dies lässt sich aber nur politisch lösen.

Beste Grüsse

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Joachim Börner
sagte am März 21, 2016 at 3:35 pm :

Guten Tag
Ich stimme Ihnen voll zu und verstehe die Ansichten der Arbeitgeber oft nicht.
Mit 62 Jahren möchte ich noch einmal durchstarten, denn ich bin Gesund und
und Erfahren genug, jüngeren Mitarbeitern meine Kenntnisse und Erfahrungen
zu vermitteln. Einzig die Branche in der ich arbeite, Polstermöbel, ist in der Schweiz
nicht gut vertreten. Berwerbungen im Ausland scheitern auch am Alter, obwohl die Altersvorsorge
bei den Unternehmen in D, A, nicht so belastend sind. In den nächsten 10 Jahren wird es vorraussichtig
nur noch ältere, gut ausgebildete Kollegen in der Polstermöbelbranche geben, weil der Nachwuchs nicht ausgebildet wird. Dann reden die Unternehmen wieder über Fachkräftemangel und schauen wieder nach D. Doch dort gibt es in diesem Bereich bereits schon ein Fachkräftemangel. Und dann?
Freundliche Grüsse
Joachim Börner

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